Vitalpunkt
Ergänzung

Vitalstoffe in der Schweiz: die Versorgungslage

Vitalpunkt-Redaktion·6. Juli 2026·7 Min. Lesezeit
Schweizer Lebensmittel wie Brot, Milchprodukte und Gemüse als Quellen für Vitalstoffe

Die Schweiz ist insgesamt gut mit Vitalstoffen versorgt – aber nicht bei allem und nicht in jeder Gruppe gleich. Die grosse nationale Ernährungserhebung menuCH zeigt: Bei den meisten Vitaminen und Mineralstoffen erreicht die Bevölkerung die Empfehlungen. Knapp bleibt es laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) vor allem bei Vitamin D, Jod und Folat – und in einzelnen Gruppen bei Eisen, Zink oder Vitamin B12. Dieser Beitrag ordnet die Zahlen nüchtern ein und zeigt, wo genaueres Hinschauen sinnvoll ist.

Der Überblick: solide Basis, einzelne Lücken

Grundlage der Einschätzung ist menuCH, die erste gesamtschweizerische Ernährungserhebung. Sie hat erfasst, was die Bevölkerung tatsächlich isst, und daraus die Zufuhr von Nährstoffen berechnet. Das Ergebnis in einem Satz: Eine ausgewogene Ernährung deckt bei den meisten Menschen den Bedarf, doch bei wenigen Vitalstoffen liegt die durchschnittliche Zufuhr unter den im Ratgeber beschriebenen Referenzwerten.

Konkret erreichen laut BLV die Zufuhrempfehlungen für die Vitamine D und Folat sowie die Mineralstoffe Jod, Kalium und Kalzium nicht alle Gruppen. Das heisst nicht, dass alle einen Mangel haben – eine Zufuhr unter dem Richtwert ist noch keine Krankheit. Es zeigt aber, wo es sich lohnt, bewusster zu essen oder in bestimmten Situationen fachlich abklären zu lassen.

~100
Jahre jodiertes Speisesalz in der Schweiz
~86%
der Bäckereien verwenden jodiertes Salz
Okt–März
Monate mit zu wenig Sonne für Vitamin D

Jod: eine Erfolgsgeschichte mit Restlücken

Jod ist das Musterbeispiel für eine gelungene öffentliche Massnahme. Seit rund hundert Jahren wird in der Schweiz jodiertes Speisesalz angeboten. Dadurch sind schwere Folgen des Jodmangels – etwa der Kropf – praktisch verschwunden. Rund 86 Prozent der Bäckereien verwenden jodiertes Salz, was einen Teil der Versorgung über das tägliche Brot sichert.

Trotzdem ist die Lage nicht bei allen gleich komfortabel. Der BLV weist darauf hin, dass die Jodversorgung in einzelnen Gruppen nur knapp ist – besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter sowie Schwangeren und Stillenden. Wer wenig Salz, kaum Milchprodukte oder wenig Seefisch isst, nimmt schnell zu wenig Jod auf. Jod trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion und zu einer normalen kognitiven Funktion bei.

Praktisch im Alltag

Wer zu Hause kocht, kann einfach zu jodiertem Speisesalz greifen. Es ist im Handel breit verfügbar, aber nicht vorgeschrieben – ein kurzer Blick auf die Packung genügt.

Vitamin D: das Winter-Thema

Vitamin D ist ein Sonderfall, weil der Körper es überwiegend selbst bildet – über die Haut, wenn genügend UV-B-Strahlung ankommt. Genau das ist in der Schweiz von Oktober bis März das Problem: Die Sonne steht zu tief, die Strahlung reicht zur körpereigenen Bildung nicht aus. Die Ernährung liefert nur wenig Vitamin D, vor allem über fetten Fisch, Eier und angereicherte Produkte.

Folge: Bei vielen Menschen sinkt der Vitamin-D-Spiegel über den Winter, und ein Teil der Bevölkerung erreicht die empfohlene Zufuhr nicht. Besonders im Blick sind ältere Menschen, Personen mit wenig Aufenthalt im Freien und Menschen mit dunklerer Haut. Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems, zur normalen Muskelfunktion und zum Erhalt normaler Knochen bei. Details behandelt der Beitrag Nahrungsergänzung: wann ist sie sinnvoll?.

Folat und Eisen: vor allem für Frauen relevant

Folat (die natürliche Form der Folsäure) liegt in der Zufuhr häufig unter der Empfehlung. Wichtig ist es besonders für Frauen mit Kinderwunsch und in der frühen Schwangerschaft, weil Folat zur normalen Blutbildung und zum Wachstum des mütterlichen Gewebes während der Schwangerschaft beiträgt. Fachgesellschaften empfehlen in dieser Phase häufig eine gezielte Folsäure-Ergänzung – das ist ein Beispiel, bei dem ein Präparat begründet sinnvoll ist.

Eisen ist vor allem bei Frauen im gebärfähigen Alter ein Thema, unter anderem wegen der Menstruation. Wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, sollte zusätzlich auf gute pflanzliche Quellen und deren Aufnahme achten – wie man das über die Ernährung angeht, zeigt der Beitrag Nährstoffmangel erkennen. Eisen trägt zu einem normalen Sauerstofftransport im Körper bei.

Wer genauer hinschauen sollte

Die Versorgungslage ist kein Durchschnittswert für alle. Je nach Lebensphase und Ernährungsweise sind einzelne Vitalstoffe knapper. Die folgende Übersicht fasst zusammen, worauf laut BLV und Fachgesellschaften geachtet wird.

GruppeEher knappWorauf achten
Frauen im gebärfähigen AlterEisen, Folat, JodEisenreiche Kost, Folsäure bei Kinderwunsch, jodiertes Salz
Schwangere & StillendeFolat, Jod, EisenErgänzung nach fachlicher Empfehlung
Ältere MenschenVitamin D, Vitamin B12Aufenthalt im Freien, B12 im Blick behalten
Vegetarisch/vegan EssendeVitamin B12, Eisen, JodB12 gezielt ergänzen, Quellen kombinieren
Alle im WinterVitamin DZufuhr und Ergänzung nach Bedarf prüfen
Bei Verdacht auf einen Mangel

Anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt – ein Bluttest zeigt, ob wirklich etwas fehlt. Ergänze nicht auf Verdacht in hohen Dosen: Gerade bei fettlöslichen Vitaminen und einzelnen Mineralstoffen ist zu viel nicht harmlos. Schwangere, Stillende und Kinder klären eine Ergänzung mit einer Fachperson ab. Im Notfall gilt in der Schweiz die Notrufnummer 144.

Fazit: Basis stimmt, gezielt nachbessern

Unter dem Strich steht die Schweiz bei den Vitalstoffen solide da. Der wichtigste Hebel bleibt der Teller: eine abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse, Früchten, Vollkorn, Milchprodukten und – wo passend – Fisch deckt den grössten Teil des Bedarfs. Gezielt nachbessern lohnt sich dort, wo die Daten Lücken zeigen: jodiertes Salz im Alltag, Vitamin D im Winter und eine Folsäure-Ergänzung rund um eine geplante Schwangerschaft. Wer zu einer Risikogruppe gehört oder unsicher ist, holt am besten fachlichen Rat ein.

Ist die Schweizer Bevölkerung mit Vitalstoffen gut versorgt?

Grundsätzlich ja: Die grosse nationale Ernährungserhebung menuCH zeigt für viele Vitamine und Mineralstoffe eine solide Versorgung. Auffällig knapp bleibt es laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) vor allem bei Vitamin D, Jod und Folat – und in einzelnen Gruppen bei Eisen, Zink oder Vitamin B12. Die Angaben sind allgemein und ersetzen keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung.

Warum hat man in der Schweiz im Winter oft zu wenig Vitamin D?

Der Körper bildet Vitamin D vor allem über die Haut mit Sonnenlicht. Von Oktober bis März steht die Sonne in der Schweiz zu tief, dann reicht die UV-B-Strahlung dafür nicht aus. Die Ernährung liefert nur wenig. Deshalb sinkt der Spiegel bei vielen Menschen über den Winter. Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems und zum Erhalt normaler Knochen bei.

Ist Jodmangel in der Schweiz noch ein Thema?

Dank jodiertem Speisesalz seit rund 100 Jahren sind schwere Jodmangel-Folgen wie der Kropf praktisch verschwunden. Trotzdem ist die Versorgung in einigen Gruppen nur knapp – besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter sowie Schwangeren und Stillenden. Wer wenig Salz oder kaum Milchprodukte isst, sollte auf jodiertes Salz achten. Jod trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei.

Sollte ich wegen der Versorgungslage einfach Vitalstoffe ergänzen?

Nicht pauschal. Für die meisten Vitalstoffe deckt eine ausgewogene Ernährung den Bedarf. Sinnvoll ist eine gezielte Ergänzung dort, wo ein erhöhter Bedarf oder ein belegter Mangel vorliegt – etwa Folsäure vor und in der frühen Schwangerschaft oder Vitamin D im Winter. Bei Verdacht auf einen Mangel klärt am besten eine Fachperson die Lage ab, oft mit einem Bluttest.

Wer gehört in der Schweiz zu den Risikogruppen für eine knappe Versorgung?

Laut BLV sind das unter anderem Frauen im gebärfähigen Alter (Eisen, Folat, Jod), Schwangere und Stillende, ältere Menschen (Vitamin B12, Vitamin D), Menschen mit rein pflanzlicher Ernährung sowie Personen, die sich sehr einseitig ernähren. Für diese Gruppen lohnt sich ein genauerer Blick, gegebenenfalls mit fachlicher Begleitung.

Wird Speisesalz in der Schweiz automatisch mit Jod angereichert?

Im Haushaltssalz ist jodiertes Salz weit verbreitet, aber nicht vorgeschrieben – man kann es wählen. In Brot und verarbeiteten Lebensmitteln wird der Anteil jodierten Salzes nicht überall gleich hoch verwendet. Wer sicher gehen will, greift zu Hause zu jodiertem Speisesalz.

Quellen

  1. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): menuCH – Versorgung mit einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen. blv.admin.ch
  2. BLV: Jod – «Nicht mehr, aber jodiertes Salz!». blv.admin.ch
  3. BLV: Schweizer Ernährungsbulletin – Jodstatus in der Schweizer Bevölkerung. blv.admin.ch
  4. Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE): Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. sge-ssn.ch
  5. EFSA: Verzeichnis zugelassener gesundheitsbezogener Angaben (Health Claims). efsa.europa.eu

Weiterlesen

Symbolbild zum Thema Nährstoffmangel
Ergänzung

Nährstoffmangel erkennen

Mögliche Anzeichen – und warum ein Bluttest zählt.

Nahrungsergänzungsmittel neben frischen Lebensmitteln
Ergänzung

Nahrungsergänzung: wann sinnvoll?

In welchen Situationen Präparate wirklich helfen.

Vitalstoffreiche Lebensmittel und Nahrungsergänzung im Überblick
Ratgeber

Der grosse Vitalstoffe-Ratgeber

Grundlagen, Bedarf und Ergänzung – alles gebündelt.